Asfa-Wossen Asserate - Draußen nur KännchenIn den aktuellen Zeiten ist es in gewisser Weise tröstlich den Blick auf ein paar positive Seiten in Deutschland gelenkt zu bekommen. In ganz und gar herrlicher Weise beschreibt Asfa-Wossen mit dem Witz eines Gebildeten die vielen netten und manchmal absurden Alltagsseiten Deutschlands.

All die samtenen, deutlich geschichtsbewussten Anekdoten zu den Gepflogenheiten dieses Landes können mich aber nicht über die weit auseinander klaffende Schere der Oberen und Unteren hinweg sehen lassen. Seine Sicht ist die Sicht eines sehr privilegierten und auch schon etwas älteren Mannes auf das Land, in dem er seine neue Heimat fand. Es ist allzu leicht sich der Errungenschaften zu erfreuen, wenn man der Ungleichheit der Unterprivilegierten nicht ausgesetzt ist. Obgleich Asfa-Wossen in die Abgründe der deutschen “Integrations”politik geschaut hat, und ihm nur allzu gewahr ist, dass hier bestenfalls Toleranz denn Akzeptanz gelebt wird, erhält er sich seinen Exotenstatus. Vielleicht auch gerade deswegen. Es bleibt mein größter Vorwurf, der nicht sein Fehler ist.

Mir war sehr schön heimelig warm beim Lesen. Es ist schön Sie hier zu haben. Danke.

Draußen nur Kännchen von Asfa-Wossen Asserate
Verlag: S. Fischer Verlag GmbH, 4. August 2012, Taschenbuch
188 Seiten
ISBN 10: 3502151571
ISBN 13: 978-3-596-18157-5
Preis: 9,99 €

(swg)

Wer so durch mein Blog klickt, und im Speziellen auf Bilder, wird festgestellt haben, dass die großen Versionen der Bilder direkt verlinkt sind. Klickt man drauf, bekommt man das nackte Bild. Zum Beitrag geht es nur mit dem “Browser zurück”. Ich kenne eigentlich keine Seite, die das heute noch so macht. Alle benutzen irgendeine Art lightbox. Mit etwas unfreiwilliger (aber nicht gänzlich frei verwendbarer) Freizeit geschlagen, habe ich mich des Themas gerade angenommen.

Woher nehmen?

Eine erste Idee war, nicht haufenweise Javascript dazu zu tun, sondern eher was leichtgewichtiges, nur in CSS, zu benutzen. Ich denke nicht, dass ich hier irgendwas selber klöppeln sollte – die Weiten des Internets bieten viele Lösungen. Mal abgesehen davon, dass die beiden getesteten Pure-CSS-Lösungen nicht funktionierten, hätten sie einen zweiten Nachteil gehabt: Es wären immer alle Bilder beider Art (Thumbnail und groß) direkt mit der Seite geladen worden. Verschwendung. Vor allem von Bandbreite auf mobilen Endgeräten.

FancyBox 3

Am Ende bin ich doch bei Javascript und FancyBox3 hängen geblieben. Nicht, weil es was ganz herausragend Besonderes gegenüber allen anderen Lightboxes wäre: Nein, es gab einfach eine Gute Anleitung™ von Paal Joachim Romdahl bei easywebdesigntutorials.com. Und auch die FancyBox-Seite hilft sehr gut weiter. Ok, besonders ist es in der Hinsicht, dass es sich in meinen Beiträgen direkt verwenden lässt. Ich muss nicht erst irgendwelche Galerien irgendwo im Blog anlegen. Es genügt in die bisherigen Bilderlinks noch ein Attribut einzufügen – das krieg’ ich sicher auch automatisiert für alle alten Beiträge hin.

modern times!

Wie das immer so ist bei guten Anleitungen und anwenderorientierter Software: Die Recherche hat länger gedauert als die Integration. Ich hätte das Plugin für WordPress nehmen können, hab’ den Kram aber lieber direkt ins aktuelle Theme geschraubt.

Als erster Beirag profitiert davon Straßenbahnmuseum Prag. Mal sehen, wie schnell ich alte Beiträge nachziehen kann. Außerdem muss ich dann noch meinen IMG-Helpr aktualisieren.

(swg)

Es gibt einen Haufen Städte, die schlafen nicht. Berlin gehört dazu, genauso wie auch Prag. Dresden tut es aber und man kann das vor allem hören. Nachts, irgendwann, ebbt der Geschäftigkeitslärm – also hauptsächlich der vom Verkehr – ab. Es wird richtig still, Geräusche werden nur vereinzelt von Tieren oder einem einsamen Nachtwanderer verursacht. Sonst hört man nichts. Dann schläft die Stadt. Den Zeitpunkt kann man nicht so recht fest machen, schleichend verebbt der Lärm.

Aber den Zeitpunkt des Erwachens kann man ganz beeindruckend erleben. Mit einem Mal, wie angeschaltet, brandet die Geschäftigkeit der Stadt an. Gerade eben habe ich es gehört. Fast pünktlich um fünf setzte die Brandung ein, das tosende Umherirren vieler Städter in den Morgen. Es wird das Grundrauschen des ganzen Tages sein. Bis in den späten Abend.

Aufgefallen ist mir das nicht zum ersten Mal. Ich bin mir sehr sicher, dass es damals, zu Zeiten meines Studiums, erst gegen sechs Uhr begann. Genauso plötzlich und eindringlich aber eben eine Stunde später. Sogar noch vor fünf Jahren war das so, denke ich jedenfalls, will meine Hand dafür aber nicht ins Feuer legen. Aber die Stadt steht heutzutage eine Stunde eher auf.

(swg)

Prag ist eine alte Stadt, was sicher viel ihrer Herrlichkeit ausmacht. So modern und großzügig sie aber in alten Zeiten angelegt war, nach heutigen Maßstäben sind auch diese Straßen eng. Allzu häufig wird der wenige, vorhandene Platz dem Autoverkehr oder Parkplätzen geopfert, gleiches widerfährt den Innenhöfen. Alles ist zugepflastert, damit man Blech abstellen kann. Gegengesteuert wird diesem Problem durchaus. Es gibt ein vorbildliches Straßenbahn- und U-Bahn-Netz. Busse sieht man in der Innenstadt zum Glück eher selten. Wenn man es, wie wir, gewohnt ist, sich in der Stadt ohne Auto fortzubewegen, freundet man sich mit Prag sofort an. Nichts desto trotz macht der Verkehr Prag laut. Das andere Laut rührt aus unzähligen Clubs der Innenstadt. Wir hatten das “Glück” direkt neben zweien zu wohnen, sodass wir hier sicher ein Extrem des laut ausschweifenden Prags genießen durften. Wer ein überreiches Nachtleben zu schätzen weiß, wird hier in jedem Falle fündig.

Prag lässt leider wenig Raum für Erholung und Entspannung, und das ist sehr schade. Man findet solche Ruhe-Inseln – und das muss man wortwörtlich nehmen, denn es sind die Inseln in der Moldau. Die Plätze mit parkartiger Gestaltung in der Innenstadt möchte ich lieber nicht mitrechnen. Rundherum und teils quer hindurch rollt der Verkehr unablässig – viele gepflasterte Straßen tun ihr Übriges zum Lärmpegel. Dazu jagen ständig Autos mit heulenden Sirenen durch die Stadt, was einen selbst auf den Moldauinseln zwischen den tosenden Staustufen noch erreicht. Wer wirkliche Ruhe sucht kann sie nur außerhalb Prags Innenstadt finden. Eine halbe Stunde Straßenbahnfahrt Richtung Flughafen findet man ein Naherholungsgebiet: Divoká Šárka. Im Prinzip ein Naturschutzgebiet vergleichbar mit der Dresdner Heide. Hier verebbt der Lärm Prags nach wenigen Schritten.

Gleichzeitig ist Prag wunderschön. Alte Bürgerhäuser, gepflasterte Gassen, und vielerorts stehen die Zeugen der langen bewegten Geschichte Prags. Dazu kommt eine immer hoch gehaltene Sauberkeit. Wirkliche Dreck- und Schmuddelecken habe ich in der Stadt nicht wahrgenommen. Und es gibt eine bei uns selten gewordene Einrichtung: öffentliche Mülleimer. Trotzdem stinkt die Stadt, vor allem nach Abgasen. Das Wetter hat es in der Woche aber auch nicht gut gemeint, kein frisches Lüftchen hat geweht, Prag blieb in seinem eigenen Dunst sitzen.

Apropos Dunst: Zu Hause sind wir passionierte Leitungswassertrinker. Im Vorfeld unseres Urlaubs haben wir deswegen geguckt, wie das in Prag so ist, schon weil ich zu faul wäre, Wasserflaschen herumzutragen. Viel Eigenlob über eingehaltene Europavorschriften und bedenkenlose Trinkbarkeit haben wir gefunden. Machen wirs kurz, dreht man den Hahn auf, riecht’s nach Schwimmbad, Chlor massiv! Eigentlich taugt das so nicht mal zum Tee oder Kaffee kochen. Selbst die Kinder beschweren sich beim Duschen… Ihr kommt nicht um Flaschenwasser herum.

Was die Freundlichkeit der Menschen anbelangt, kann man sehr unterschiedliche Erfahrungen machen. Zuvorkommend sind die Prager in jedem Fall, was ich gern an dem Beispiel in der Straßenbahn fest mache: Es wird für alte Leute und vor allem für Kinder aufgestanden – für letztere von jeder Altersgruppe. Andererseits kann es einem passieren, dass man von der Bedienung hinter der Theke eher angeraunzt, denn freundlich nach seinen Wünschen gefragt wird – so geschehen im Zoo. Natürlich gibt es dazu auch unzählige Gegenbeispiele direkter offener Freundlichkeit.

Prag ist schön, aber es ist keine Stadt, in der ich leben möchte. Hier ist es mir zu eng und zu laut. Aber besuchen komme ich Prag sicher wieder, es ist einfach schön.

(swg)