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Irgendwann begegnet man ihr und spätestens mit Kind ist es unausweichlich: Homöopathie. Wie ist mir das bloß passiert, dass ich in einem Homöopathiekurs sitze?! Ganz einfach: Angepriesen war der Kurs als Erste Hilfe-Kurs und Homöopathie für Kinder. Maria hat extra telefonisch nachgefragt ‚… nicht direkt für Babys, für Kinder … sowas in der Art‘. Im Prinzip müsste ich auf dem Absatz kehrt machen: Auf der vom Beamer an die Wand geworfenen Vortragsüberschrift steht gar nix von Erste Hilfe, da ist nur noch Homöopathie im Titel zu lesen. Aber ich bin ja offen. Man soll die Menschen nicht für ihren Glauben in die Pfanne hauen. Erste Hilfe mit Homöopathie-Touch kann ich ertragen, und irgendwas zu Erste Hilfe wird schon kommen. Ich zahle und setzte mich. Die Giederung anschließend lässt mich kurz aufatmen: Da sollte etwas zu Insektenstichen, Prellungen, … Verletzungen aller Art kommen.

Das Aufatmen hielt nicht lange, dann stockte es. Schulmediziner, so legt Frau Arite Winkler dar, sind eher so Fachmediziner, immer nur für ein Teilgebiet des menschlichen Körpers zuständig, nie betrachten sie den Menschen ganzheitlich! Außerdem kuriert die Schulmedizin ja nur an den Symptomen rum. Ganz anders, als die Homöopathie… Homöopathie suche nach der Ursache im Ganzen.

‚Großartig‘ -.- denke ich. Auf den weiteren Folien wird mir dann erklärt wie Globuli verschiedener Pflanzen bei welchen Krankheitssympthomen einzusetzen sind und in welcher Potenz. Den Widerspruch zu ihrer angeblichen Ursachenbetrachtung erkennen die werten Homöopathen natürlich nicht. Als Ursache für Ohrenschmerzen werden einem Dinge wie Stress, Zugluft etc. verkauft. Das sowas nur der Auslöser ist: egal! Ob das ’ne bakterielle Infektion des Mittelohrs ist, oder durch einen Virus verursacht – was juckt’s den Homöopathen? Die Schulmediziner sind da ja voll schlecht, geben immer nur Antibiotika. Aber mir wird (verkürzt gesagt) erklärt, dass, wenn die Ohrenschmerzen vor Mitternacht auftreten, dieses Globuli hilft, nach Mitternacht jenes… Großartig, wie hier nicht einfach nur Symptome kuriert werden.

Richtig super wird es, wenn mir eine Folie erklärt, Schnupfen zweimal im Jahr ist normal und eine „Entschlackungsreaktion“ des Körpers. Das allein könnte man ja einfach als Erfahrungswissen stehen lassen. Auf Rückfrage aus dem Publikum, ob es denn dann im Umkehrschluss gefährlich sei, wenn man nie krank ist, wird das bejat: Dann kriegt man bestimmt bald was ganz schlimmes, Krebs oder so. Meine Fresse, worauf stützt sich sowas? Bestimmt hab ich schon Hodenkrebs, ich war ja gefühlt schon sechs Jahre ohne richtige Erkältung!!1!

Auch die Impfgegner grinsen immer wieder von den Folien. Selbst wenn Frau Winkler nicht unterlässt zu betonen, Impfen grundsätzlich nicht zu verdammen, strafen sie ihre Folien Lügen: Warum steht dann bei allen möglichen Folien unter den Symptomen immer mal wieder, dass sie vor allem durchgeimpfte Kinder beträfen?! ‚Die sind immer etwas kränklich und blass.‘ Wie bitte? Aber das ist sicher auch eine ihrer „unwiederlegbaren Erfahrungen“. Was zählen da schon wissenschaftliche Studien?! Tetanus-Impfung, zum Beispiel, ist laut Frau Winkler heute nicht mehr notwendig, trifft kaum noch einen. Das Tetanus nicht ausrottbar ist und eine Mortalitätsrate in westlichen Ländern von 15% und anderswo 45% und mehr unter ungeimpften hat: Scheißegal. Wir sind hier ja bei der Homöopathie, da zählen nur kleinste Dosen.

Noch abgefahrener wird es dann bei Verletzungen: Ich dachte wirklich, dass jetzt doch noch sowas wie Erste Hilfe-Maßnahmen erklärt werden. Falsch! Man zählt auf, welche Globuli man bei welchen Verletzungen und Traumata geben soll! Auf meinen Einwand hin, dass, wenn sich mein Kind auf dem Spielplatz ’ne Beule holt, ich mich als erstes ums Kind und seinen Bluterguss kümmere, werde ich abgebügelt: Es ginge hier um schwerere Trauma, als nur eine Beule. Achso! Ich dachte, bei richtigen üblen Verletzungen ruft man den Notarzt! Nö: Der Homöopathiebegeisterte kramt nach Fläschchen in der Handtasche!

Und jetzt mach ich hier im Blog mal ’ne Ansage: Sollte ich jemals beobachten, dass ein Kind sich ernsthaft verletzt und Mutti anfängt, Globuli zu suchen, kriegt die von mir eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung an den Hals!

Am Ende hab ich noch mal die Chance, ’ne Frage zu stellen: Was der Begriff „Potenz“ denn bei den Globuli bedeutet, den sie hier immer verwendet. Nach ewigem rumgeeier und Kreiserklärungen über potenzieren zu Potenz und zurück, muss sie dann doch erklären, wie Homöopatische Mittel hergestellt werden. Dort rückt sie damit raus, dass es, im Gegensatz zur Pharmakologie, das Verdünnen meint: Je dünner die „Lösung“ des Wirkstoffes, desto potenter. Aha – nicht dass ich das nicht schon gewusst hätte, ich hör’s nur so gerne nochmal. Ihr ist offensichtlich unangenehm, das aussprechen zu müssen. Achso, ganz wichtig: Beim Verdünnen muss geschüttelt werden, wegen der Energie, die dann reinkommt! Der Witz ist, das sich die anwesenden Frauen von dem anschließenden Gelaber über Frequenz, Energie und Wellen beeindrucken lassen. Grundverständnis Naturwissenschaften 0 – Esoterik 1. Es bleibt einem wirklich der Mund offen stehen, wenn man sowas mal erlebt.

Wie dünn denn so eine Lösung dann ist, kommt tatsächlich noch die Frage: ‚Nun äh ja, das Wasser trägt am Ende nur die Information, der Wirkstoff selber ist nicht nötig‘, so die Homöopathin Winkler. Es wird geglaubt. Weil, ‚Informationen wie Fernsehbilder gehen ja auch per elektromagnetischer Welle durch die Luft, sind ja ständig um uns rum…‘ Hatte ich erwähnt, das Frau Winkler ein Informatik-Diplom hat? Sie müsste mit dem Begriff Information umgehen können. Kann sie aber offenbar nicht.

Zu Erster Hilfe, wie ich sie verstanden hätte, kommt nicht wirklich was. Vielleicht noch dies: Bei leichten Verbrennungen, soll man warmes Wasser drüber laufen lassen. Dann wird’s zwar kurz schlimmer, anschließend klingt der Schmerz aber sehr schnell ab. Und jeder aus der Gastronomie kenne das ja. Im Übrigen würde da das Prinzip „ähnliches mit ähnlichem heilen“ gut deutlich. Danke. Wenn das der Erste Hilfe-Kurs war, fühl ich mich ein klein wenig verarscht. Sei’s drum, ist Lehrgeld – nicht im doppelten Sinn.
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Das perfide an solchen Veranstaltungen – wie ich das auch sonst aus Esoterik-Kreisen mitbekomme – ist, dass mit den Ängsten der Menschen gespielt wird, die vor allem aus Unwissen resultieren. Man will halt gern das Gefühl haben, man hätte die Situation im Griff. Gerade gegenüber den eigenen Kindern fühlt man sich schnell hilflos, wenn sie krank sind. Und gerade bei Kindern will man um Gottes Willen nichts falsch machen! Nur das Beste für sie, oder? Ein so schön „einfaches und logisches“ System, wie es die Homöopathie mit ihrem „ähnliches mit ähnlichem heilen“ bietet, ist genau die simple Lösung, auf die die Menschen dann anspringen. Die Aufklärung ist hier in ihrer größten Krise.

Ich wünsche Frau Arite Winkler viel Glück bei ihren Behandlungen und hoffe inständig, dass niemand zu Schaden kommt.

(swg)

Sorry, zu privat für die Öffentlichkeit. Vielleicht klappt’s nach dem Login?

Samstag und Tierarzt, klingt kompliziert, ist es aber gar nicht: Es gibt sogar ganz in unserer Nähe eine Tierklinik. Wir sperren Otto und Staudi in die orange Transportbox und los. Otto versteckt sich, Staudi randaliert ein bisschen, beruhigt sich aber dann.

In der Tierklinik angekommen, füllen wir die Patientenakte aus. „Otto? ist ja ein putziger Name für ’ne Maus…“ Lange müssen wir nicht warten, nach einem hinkenden Hund sind wir schon dran. Dabei hatte ich mit einem überfüllten Wartezimmer gerechnet.

„Welcher von beiden?“ „Der braune is‘ Otto“ Der hält im Griff der Schwester erstmal still und lässt sich das angucken gefallen. Wirklich viel kann man wohl nicht machen, erklärt Frau Doktor: Ohren spülen und hoffen, dass das Antibiotikum – autsch! Da war es Otto zuviel geworden und er hat die Schwester in den Finger gebissen. Die war so erschrocken, dass Otto erstmal vom Tisch segelt. Verschreckt hockt er auf dem Fußboden und lässt sich wieder einsammeln. Passiert ist nix weiter.

Also Ohren spülen und Antibiotikum spritzen. Das Spülen lässt er sich noch gefallen, dann wird es Otto aber wieder zu viel, sehr sogar: Er erwischt die Schwester am Finger, aber lässt nicht los. Das hatten wir mit Paul schonmal zuhause: Die kleine Beißzange locht den Finger schön oben und unten. Dran ziehen ist nicht hilfreich „… der läßt nich los!! der läßt nich los!!!…“ Mir tut die Schwester ja leid aber ich muss mich verdammt beherrschen, jetzt nicht zu lachen, ob Ottos grimmiger Entschlossenheit. Sieht fast putzig aus, wie er da ein paar Zentimeter über der Tischplatte an der Schwester Finger hängt…

Endlich lässt er sich doch los und will sich verkrümeln. Weder wir noch die Ärztin sind schnell genug hinter der entnervten Maus her und Otto schafft es wieder über die Tischkante… Passiert ist ihm wieder nix, zum Glück.

Die Spritze kriegt er trotzdem noch, diesmal mit Hilfe einer anderen Schwester. Montag ist Termin zur Nachkontrolle. Einmal in der Box verkriecht sich Otto und pennt sofort. Zu Hause müssen wir ihn fast auskippen. Er verkrümelt sich direkt zum weiterbuzzeln.

(swg, Maria)

Oh, dass sieht nicht gut aus:

Otto hatte schon eine Weile etwas Ausfluss aus den Ohren. Wir habens einfach nur für Dreck gehalten, Ohrenschmalz, der nicht gut raus konnte. An den Ohren hatte er schon immer so kleine Schwülste, jedenfalls seit er die 100 g deutlich überschritten hatte. Dort blieb der Dreck hängen. Außerdem sieht Otto sehr müde aus und ist fast apatisch. Offenbar ist’s aber doch eine Entzündung. Tierarzt also.

(swg, Maria)