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Norwegen ist ein herrliches Reiseland. Kaum irgendwo sonst zieht einen die Landschaft so in ihren Bann. Norwegen ist dazu kinderfreundlich und Touristen gegenüber sehr aufgeschlossen. Ein paar Dinge gilt es natürlich zu beachten, und gerade Wohnmobilfahrer tun gut daran, die Toleranz der Einwohner nicht zu sehr zu strapazieren.

Im Folgenden haben wir einige Erfahrungen zusammengetragen, die dem einen oder anderen vielleicht nützlich sind.

Reisegeschwindigkeit

Es geht nicht voran! Muss es auch nicht, die Landschaft ist überall in Norwegen wunderschön. Auf Landstraßen gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Mal abgesehen davon, dass man sie besser einhält, ist das im Gebirge eh kaum zu erreichen. Auch entlang der Fjorde sind die Straßen oft so gewunden und eng, dass man kaum versucht ist, schnell zu fahren – mit dem Womo gleich gar nicht. Wir sind mit zwei kleinen Kindern (4 & 1) gereist, die entsprechend wenig Geduld für lange Autofahrten haben. Um 150 km zurückzulegen, kann man abseits der Schnellstraßen ruhig 3 Stunden einplanen. Das ist auch unsere durchschnittliche Tagesleistung aller Tage, an denen wir gefahren sind.

Propangas

Die Firma LPG Norge versorgt nicht nur Gasbetriebene Fahrzeuge, sie füllt auch Gasflaschen nahezu jeder Größe und Herkunft. Entscheidend ist, dass das Prüfsiegel der Flasche nicht abgelaufen ist. Adapter für alle unmöglichen Anschlüsse halten alle bemannten Stationen vor. Hier ist der Knackpunkt für das Befüllen der Flaschen: Nur während der Öffnungszeiten kann man das tun lassen. Gas kostet ca 1,-€ pro Kilogramm.

Das schwedische Tauschsystem kann man auch hier anwenden. Die Flaschen mit dem schwedischen Anschluss sind aber immer mal wieder nicht vorrätig. Wir haben vier Versuche gebraucht, bis eine Tankstelle die richtige Flasche hatte. Beim Tausch kosten 11.5 kg Gas ca. 20,-€.

Zeltplätze

Zeltplätze gibt es auf den touristischen Routen häufig, abseits ausgetretener Pfade seltener. Wer nach dem 1. September oder vor dem 1. April Norwegen bereist, steht öfter vor verschlossenem Tor. Oft genug hängt aber eine Telefonnummer aus, nach deren Anruf man meist trotzdem Zutritt bekommt. Die Preise schwanken für Wohnmobile zwischen 12,-€ und 26,-€ pro Nacht. Strom kostet zwischen 3 und 5€, manchmal ist er im Übernachtungspreis drin, manchmal nicht. Wenn Duschen etwas kostet, dann zwischen 1,- und 1,50 für 4 min.

Freistehen

Im weniger bereisten Inland und im Norden abseits der E14 haben wir oft Plätze gefunden. Zwar gilt das Allemansreten – also das Jedermannsrecht – nicht für motorisierte Touristen, sondern nur für Wanderer mit Zelt! Trotzdem haben wir uns an den Regeln orientiert:
– Die nächste Behausung war mehr als 150 m entfernt
– Es ist kein Naturschutzgebiet,
– wir standen nicht auf Privatgrund und
– natürlich haben wir den Platz so hinterlassen, wie wir ihn vorfanden!

Internet

Die meisten Touristen werden wohl mehr als 45,-€ berappen, es geht aber billiger: MyCall. Die Simkarten-Starterpakete hängen z.B. an Coop-Kassen. Die Hürde ist, sich registrieren zu lassen: Wenn man keine norwegische Sozialversicherungsnummer hat (und die haben nur Norweger), muss man sich mi einer gefaxten Ausweiskopie registrieren lassen. Oder man hat so freundliche Coop-Mitarbeiter, wie wir im zweiten Teil diese Artikels hatten.

Essen und Trinken

Im Wohnmobil ist man auf Selbstversorgung aus, weswegen wir uns eher auf unsere Einkäufe konzentrieren. Zum Essen gehen sei gesagt, das man in einem Restaurant eher nicht unter 20,-€ pro Hauptgericht herauskommt.

Milchprodukte sind etwa doppelt so teuer, wie in Deutschland. Joghurt naturell liegt sogar zwischen 3,90€ und 5,90€ pro Kilogramm – der hohe Preis gilt für Importware, heimische Hersteller sind günstiger.

Brot hat ebenfalls seinen Preis. Im Supermarkt zahlt man fürs Kilo-Brot ca. 3,60€. Man bekommt dunkles, aber doch eher fluffig-weiches Brot. Brötchen kosten nicht selten 1,-€/Stück. Bäckereien, wie in Deutschland, sind selten, die Preise hier dafür umso gesalzener. Im Prinzip zahlt man für sämtliche Getreideprodukte deutlich mehr. Wahrscheinlich, weil viel importiert und nicht selbst angebaut werden kann. Hafer wird hier offenbar auch dem Weizen vorgezogen.

Fisch kostet im Supermarkt in etwa das, was man auch in Deutschland bezahlt. Frischfisch haben wir nicht gekauft, schlicht weil nur eine Person an Bord dafür schwärmt.

Windeln kosten in Norwegen deutlich weniger, als in Deutschland. Zahlt man in Deutschland für Pampers wenigstens 0,20€/Stück, sind es in Norwegen 0,09€/Stück. Die norwegischen Marken kosten mehr, aber auch nicht so viel wie in Deutschland.

Was es nicht im Supermarkt gibt

Stilles Mineralwasser kann man nicht kaufen, es gibt nur solches mit Kohlensäure. Normalerweise besorge ich mir Wasser auch nicht in Flaschen, aber unabgekocht will ich es aus dem Wohnmobiltank lieber nicht trinken. So bleibt nur das füllen leerer Flaschen am Hahn.

Haltbare Vollmilch, die man ungekühlt lagern kann, ist hier scheinbar unbekannt. Es gibt nur frische Milch – in allen Fettgehalten – die bei 0-4°C ungefähr zehn Tage haltbar ist. Nach Mhd-Ablauf ist die aber garantiert sauer (Erfahrungswert).

Butter ohne Salz gibt es hier einfach nirgends. Auch die Ersatzstreichfette sind gesalzen. Man hat nur die Wahl zwischen viel, mäßig und wenig Salz.

Für unser kleines Kind haben wir als Nachmittagsmahlzeit gern einen Getreidebrei mit Früchten verfüttert: Soetwas gibt es hier gar nicht. Birne/Apfel in Joghurt gibt es bei den Babybreien manchmal zu kaufen. Reine Obstbreie, wie wir sie gern in den Abendbrei gerührt haben, kann man nur selten ins sehr großen Supermärkten bekommen.

Was es nur hier gibt

Kulturmilch, eine Art sämige, säuerliche Milch. Lactobacillus acidophilus hat hier seinen Dienst drin getan. Ich kann es sehr im morgentlichen Müsli empfehlen.

Gudbrandsdalsost ist ein karamellisierter Käse aus Kuh und Ziegenmilch. Ich kannte ihn schon aus meinem Konsum, allerdings nur eine Sorte. Die tatsächliche Vielfalt war mir unbekannt. Mein Favorit bisher ist Bestemorost, der entfaltet eine fruchtige Note. Am besten ist er auf schwerem Schwarzbrot oder Pumpernickel.

Lakritz, und zwar das salzige oder saures. Es gibt eine ungeahnte Vielfalt! Sogar im Eis kann man es kriegen. Norwegen ist Lakritzland – und damit mein persönliches Paradies.

Sorry, zu privat für die Öffentlichkeit. Vielleicht klappt’s nach dem Login?

nur die Wurst hat zwei.

Was wir nach unserem Skandinavientripp schon mal ganz ohne weiteres Nachdenken sagen können: Wir kommen wieder! Besonders Norwegen ist unfassbar schön. All die Dinge, die wir diesmal nicht so intensiv konnten – Museen, Wandern ins nirgendwo, etc. – werden wir dann in Angriff nehmen. Die Hardangervidda muss man einfach besucht haben, denke ich. Es gibt noch so viel mehr, aber bleiben wir erstmal beim gerade erlebten:

Unsere Runde hat Maria ganz fleißig mitgeschrieben, wo wir entlanggefahren sind, was wir angesehen haben und wo wir übernachtet haben – die Karte ist hier (aber nur für angemeldete).

Für die Eckdatenfreaks unter Euch: Wir haben

  • 640 L Diesel verbraten,
  • 5999 km, im gesamten Urlaub 6860 km,
  • in 46/49 Tagen zurückgelegt,
  • 11 Fähren und ungezählte Tunnel und Brücken benutzt,
  • 20 Nächte auf Campingplätzen und 2 auf bezahlten Stellplätzen verbracht,
  • 4x Wäsche gewaschen,
  • einen Tritthocker und eine Toilettenkassette eingebüsst,
  • 5 komplett verregnete Tage erlebt,
  • ~5600 Fotos geschossen,
  • ca. 5000,-€ ausgegeben und
  • eine unbezahlbar schöne Zeit erlebt!

(swg)

Schon gestern Abend hatten wir entschieden, dass die 8:00 Uhr-Fähre einfach nicht zu kriegen sein wird. Es hätte einen Gewaltakt an Vorbereitungen benötigt. Vom Schnitten schmieren bis Taschen packen (für den Aufenthalt auf der Fähre, man kann ja nicht ans Auto) hätte alles noch am Abend erledigt werden müssen. Zu viel zusätzlicher Stress zu einer eventuell nicht mal geruhsamen Überfahrt. Nein danke! Stattdessen buchen wir die Mittagsfähre und bereiten unsere Abreise aus Skandinavien in aller Ruhe vor. Fangen wir mit einem gemütlichen Frühstück an.Die Kinder dödeln vorm Womo herum, wir sind vollauf beschäftigt.Einmal gehen wir noch an den Strand. Irgendwo da hinten wird unsere Fähre anlegen, die uns zurück nach Deutschland bringt.Einen Abstecher nach Trelleborg machen wir noch, Kleinigkeiten einkaufen, einen Geocache einsammeln und irgendwie die Wehmut überwinden, jetzt doch Skandinavien verlassen zu müssen. Das will dann nicht so richtig gelingen.

Mit dem Kilometerstand 151.880 km stehen wir an der Fähre.Damit haben wir ziemlich genau 5.999 km auf skandinavischem Boden zurückgelegt. Das ist fast so gut, wir genau 6.000 km.

Halb eins verschluckt uns die Fähre als letztes Fahrzeug.Diesmal ist es deutlich ruhiger auf der Fähre. Mit uns reisen noch zwei weitere Familien in ihrer sinnvoll ;) genutzten Elternzeit.

Die Überfahrt ist deutlich kurzweiliger, wir unterhalten uns nett. Offenbar haben wir mit unserem Womo-Kauf ganz gut kalkuliert. Mieten wäre dieses Jahr in der Größe wohl unter 100,-€ am Tag nicht drin gewesen – und das auf 7 Wochen hochgerechnet… Die Kohle wäre einfach futsch. Einer unserer Mitreisenden hat es versucht und dann lieber gelassen. Ne Ferienwohnung irgendwo an der Ostsee zu kaufen ist ja auch keine schlechte Option :)

Währenddessen sind Alina und Jannika beschäftigt.Frische Luft brauchen wir zwischendurch auch. Jannika versucht wieder freihändig und alleine zu laufen.Ist aber sehr anstrengend für sie.Großartig, wie unser großes Kind abschalten kann…Aber ab und an sorgt das Bällebad für Bewegung.Rostock kommt schneller in Sicht, als erwartet. Das Wetter ist nicht so dolle, ist uns aber etwas egal.Während der Überfahrt haben wir entschieden, einfach so weit südlich zu fahren, wie wir durchhalten. Auf irgend einem Rastplatz halten wir für ein kleines Abendbrot. Da kann ich auch die Fahrräder wieder hinten drauf schnallen – der gesparte Meter Länge hat auch Fährgeld gespart.

Das man sich wieder in Deutschland befindet – auf der Autobahn – sieht man an den sich gegenseitig bedrängenden Trotteln. Es kann wie immer nicht schnell genug gehen. Naja, willkommen in der Heimat. Wir schaffen es bis auf den Parkplatz von Karls Hof bei Berlin. Da wollen wir morgen rein. Die Kinder betten wir einfach um, die schlafen beide weiter. Wir jetzt auch.

(swg)