Archives for the month of: Februar, 2012

Guckt mal, was ich gefunden hab!

Erst dachte ich, es wär eine alte Schreibmaschine. Mangels Kompetenz hab ich den Koffer auch nicht gleich auf bekommen. So blieb er, wie er war – grad keine Zeit und so: also der Grund #1 für volle Keller.

Jetzt ist mir das „Köfferchen“ aber wieder in die Hände gefallen und sieh da, es ging auch auf.

Oh, nix Schreibmaschine! Aber was’n das? Ein alter … Belichter? Vatern hat früher mal selber Abzüge von Negativen gemacht. Laaange ist das her. Damals noch in der 2-Raum-Wohnung im zehnten Stock.

Das Wohnzimmer war im hinteren Drittel längs mit einer „Durchreiche“ geteilt. Auf einer Seite war die Küche und bei normalen Leuten auf der anderen Seite die Essecke. Bei uns hatte mein Vater da seine kleine Hobbywerkstatt. Die konnte man ganz abdunkeln. An ein Mal kann ich mich erinnern, als Vater Abzüge machte. Schwarzweiß. Erstaunlich, wie auf dem leeren Papier im Entwicklerbad langsam etwas erkennbar wurde. Die obligatorische Wäscheleine mit den aufgehängten Bilder kenn‘ ich auch noch.

Jaa, wirklich, der alte Pentacon Aspecta hat tatsächlich die Zeiten und Umzüge überdauert.

Und geht noch.

Ich dachte ja, ich hätte einen kleinen Schatz gehoben. Naja, eBay belehrt mich eines Besseren. Gibt einfach zu noch viele alte DDR-Keller.

(swg)

PS: Aber über Kleinanzeigen hat sich tatsächlich einer gefunden, der damit hoffentlich glücklich wird.

Seit fast einem Jahr liegt hier schon der Artikel zu Frau Duves Buch rum, „Anständig Essen“. Ich krieg ihn nicht fertig. Mein ganzes bisheriges Geschreibsel hab ich jetzt über Bord geworfen – Führt eh zu nix. Deswegen nochmal von vorn:

Nachdem ich das Buch von Frau Duve gelesen hatte, hab ich es jemandem gegeben, von dem ich weiß, dass er empfänglich dafür ist: Jens. Der versucht eh schon eine ganze Weile so öko, bio und lokal wie nur möglich einzukaufen. Am Besten fasst sich das Buch wohl mit folgendem Wortwechsel beim Mittagessen zusammen:

Jens: „Stephan, ich hab das Buch durch.“
swg: „Und?“
Jens: „Ich les sonst nicht so viel. Dicke Bücher möglichst eh nicht. Das hab ich in zwei Tagen durchgehabt…“
swg: „Respekt“
Roman: „Und jetzt?“
Jens: „Erstmal vegetarisch…“ *leicht elendes Gucken*
swg: „Soll ich Dir auch mal’s Essen versauen, Roman?“
Roman: „Danke, aber nö…“


Frau Duve hatte in ihrem Autorenleben etwas Zeit und Muse, sich mit etwas ganz alltäglichem auseinander zu setzten: Essen. Und damit ist nicht Kochen gemeint, was eigentlich davor kommt. Viel mehr hat sie die Frage nach dem „Woher“ und „Wie wird’s gemacht“ der Zutaten interessiert.

Was jeder, der sich auch nur ansatzweise mal diese Frage beim Einkaufen gestellt hat, geahnt haben muss, ist real grausamer als vorstellbar. Wie soll es auch anders sein, wenn ein kleiner Schlachthof 4000 Schweine pro Woche „verarbeitet“ und der Deutsche im Durchschnitt 250g Schwein pro Tag frisst?!

Mich hat das Medienecho auf das Buch interessiert. Ich habe keinen Fernseher – die gesamte Verblödungsmaschinerie dahinter ist mir zu dumm. Ich reg mich ja schon über die Desinformation der Tagesschau auf. Deswegen sind die Talk-Runden, in denen Sie saßen, komplett an mir vorbeigegangen. Inzwischen habe ich stattdessen mal in den Online-Ausgaben der diversen Print-Medien quergelesen. Irgendwie scheinen die aber auch nicht besser, als meine Meinung übers Fernsehen ist: Sie kommen mir da ein bisschen denunziert vor.

Psychotricks

Zum Beispiel FAZ: Es geht kurz um das, was Sie im Verlauf der Zehn Monate nach und nach nicht mehr aßen. Dann kommt eine Zwischenüberschrift:
„Schön war das insgesamt nicht“
Und es geht weiter mit der genaueren Beschreibung der Frutarier-Phase – und, dass das zeitweise körperlich doch ganz schön war. Der tatsächliche Bezug kommt aber erst mit der Beschreibung der Zustände der Massentierhaltung: „Schön war das insgesamt nicht“. Aber was bleibt beim Lesen hängen? Richtig! Bio -> fleischlos -> keine Tierprodukte -> frugan: nicht so schön. Manchmal bin ich geneigt, doch irgendwie an die Große Weltverschwörung™ zu glauben. Wieviel Absicht steckt hinter solchen Rezeptionsfallen? Achja und: Haben sie jetzt tatsächlich eine Mission, wie es unter dem Titel des FAZ-Artikels steht? Kam mir in ihrer Lesung gar nicht so vor…

Vom ehemaligen Nachrichtenmagazin erwarte ich ja schon lange nichts mehr, und werde auch diesmal nicht enttäuscht. „So gesittet und wenig radikal ging es wohl selten auf einer Vegetarismus-Veranstaltung zu. Von Wutbürgertum und Verbraucherzorn keine Spur, hier kochen keine Emotionen hoch“. Aha soso, keine hysterisch kreischenden, blass-dürren Kräuterhexen im Ökohanfpulli?! Wie ungewöhnlich!!1! Ich frage mich gerade, was Leute wie Meredith Haaf eigentlich über die Subversivmesse schreiben würden?! Das sie es bis jetzt nicht taten, beruhigt mich fast. (Was oder ob sie denken, frage ich lieber nicht.) Auch der Hinweis auf das junge, gediegene Publikum schmeckt komisch im Zusammenhang mit dem vorher erwähnten Bildungsbürgertum. ‚Könnt ich mir auch leisten, wenn Mama und Papa alles bezahlen!‘ Vielleicht les ich nur zu viel hinein.

Eine Sache nehm‘ ich Ihnen aber doch irgendwie krumm, Frau Duve: Was haben sie für eine Problem mit Männern?

Die können und wollen gar nie nicht auf Fleisch verzichten, das wär‘ unmännlich. Inkonsequent sind sie auch…

Andererseits sind es aber meist Männer, die Sie zur geänderten Lebensweise konsultieren/interviewen: auf dem Bauernhof, der Frutarier, der Typ von der indischen tothunger-Religion…
Emanze! Emanze! ;)

Wer sich dafür interessiert, warum er Bio und Öko und sowieso wenig bis keine Tieren essen sollte, kann in „Anständig Essen“ ein paar gute Argumente finden.

(swg)

Anständig essen von Karen Duve
Galiani, Berlin; 1. Auflage, 30. Dezember 2010
335 Seiten
ISBN 10: 3869710284
ISBN 13: 9783869710280
Preis: 19,95 €

Nach dem Wulff-Debakel – in den nächsten Tagen wird der sicher seine Staatsmann-Simulation beenden – könnten wir mal wieder einen brauchen, der das Amt des Bundespräsidenten nicht nur tragen kann. Einen, der es ausfüllen kann, wäre doch mal eine wirkliche Abwechslung! Keinen Partei-Hansel, der fröhlich seine Aufgaben schmeißt um in das Amt zu fliehen (um gleich drauf wieder rauszustolpern oder hinzuschmeißen).

Ich schließe mich Fefe an: Georg Schramm sollte Bundespräsident werden. Mein voller Ernst. Völlig alternativlos!

Beeindruckend, wenn man mal Georg „Schramm for Bundespräsident“ bei Google einwirft.

Update 9:53 Uhr: Schneller als erwartet tut sich was: Wulff gibt um 11 Uhr Erklärung ab

Update 11:08 Uhr: Damit ist es amtlich! Herr Wulff hat seinen Rücktritt bekannt gegeben. Zu seiner Selbsteinschätzung er habe ‚in seinen Ämtern immer korrekt gehandelt‘ sag ich mal einfach nur nichts.

(swg)

PS: Allein die Vorstellung, wie dann die Weihnachtsansprache ausfiele…

Links am Donnerstag

Schon etwas älter, aber ich bin jetzt erst drüber gestolpert: Pizza ist Gemüse – Wenigstens laut US-Kongress. Die zwei Löffel Tomatensauce drauf reichen für diese kreative Klassifikation. Hintergrund: der Vorstoß für gesünderes Essen an Schulen durch Obama wurde damit torpediert. Kindergarten.

„Spaßvogel“ auf dem Neckar – Ein Stoffpinguin auf einer Styroporplatte…

(swg)