Archives for the month of: November, 2009

Nicht nur auf besagtem Baumarkt-Parkplatz kann man immer mal automobile Raritäten bewundern. Heute stand der hier vorm Barkhausenbau:
VW Typ 3 1600L
Ein schicker VW Typ 3, genauer der 1600 L – irgendwann zwischen 1966 und 1973 gebaut. Schön.

Irgendwann erwische ich hoffentlich nochmal den metallic-blauen 500 SEL, den ich mal vorm Schuman-Bau gesehen hab.(swg)

(Man ich brauch ’ne kleine DigiCam, das Handy tut’s echt nicht mehr.)

Den Vormittag auf der Couch vergammelt und keine Lust, was Produktives zu tun: ok, fahren wir mal kurz nach Meißen. Auf der Albrechtsburg gibt’s eine Ausstellung zur Porzellan-Geschichte – Bötcher, August der Starke etc. … vielleicht dahinein?
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Nach einer klitzekleinen Runde durch den Burggarten: nö, nicht in die Ausstellung. Aber kurz rein in den Dom. Oh, keine feste Gemeinde, also kostet’s Eintritt. Zwei fuffzig sind ok. Photographieren darf man, wenn auch ohne Blitz. Eine riesighohe Halle, hell und eher schmal empfängt uns. Der Blick von der Empore auf die Orgel ist wieder etwas deprimierend: Billy-Regal-Orgel. Dafür wird auf ihr gerade gespielt.

Nach einem Blick über die Burgmauer ist uns das Wetter doch über ( wem wohl wieder kalt ist? ;) ). Der Domkeller lädt ein. Aber wo ist hier die Gaststube? Achso, ziemlich weit vorn – wir sind versehentlich bis zur Terasse des Cafés durchgerauscht.
In der auf sächsisch gehaltenen Karte gibt’s ein Bockbier-Angebot. Bennator. Rot, herb, herrlich.

Beim Bummel runter vom Burgberg stoßen wir auf einen Erzgebirgsladen. Offen. Drinnen solls einen Brunnen geben. Eine Runde durch. Ihm gefällt spontan nichts besonders gut, ihr das ein oder andere Räuchermännchen. Den Pfeife rauchenden Snowborder finden wir beide irgendwie daneben. Er erkennt den typischen Engel und Bergmann wieder. Stand bei Oma früher auf dem Tisch. *seufz*. Em Ende ist uns beiden trotzdem nicht weihnachtlich. Ist irgendwie noch zu früh. Wieder draußen stellen wir fest, dass wir den Brunnen gar nicht bestaunt haben. Was solls. Tappern wir zurück zum Auto, wird eh schon dunkel. (swg, Maria)

Auf Johnnys Anregung hin haben wir uns die Ausstellung von Thomas Demand angesehen. Er hat Szenen von Photographien aus Papier nachgebaut, anschließend photographiert und die papiernen Nachbauten zerstört. Übrig sind nun nur die Abzüge der Plattenkamera.

Was genau Thomas Demand da nachgebaut, photographiert und anschließend zerstört hat, erkennen wir in einigen Fällen: die verwüstet Stasizentrale und die Badewanne, in der Uwe Barschel gefunden wurde, sind klar. Anderes bekommen wir erklärt: Wir haben Glück, es gibt gerade eine Führung, die nicht mal Geld kostet – Danke. Zu erkennen sind die Szenen vor allem deshalb, weil sie aus dem kollektiven Gesellschaftsgedächtnis stammen – nahezu jeder kennt die Photos der vom Anschlag auf Hitler zerstörten Lagebesprechungsbaracke der Wolfsschanze oder eben Barschels Badewanne. Alles ist zwar aus Papier nachgebaut aber eben aus genau der Perspektive wieder abgelichtet worden, aus denen auch die Originalbilder entstanden.

Man sieht die den Arbeiten an, wann sie entstanden: Immer raffinierter wird Thomas Demand bei der Umsetzung. Je später, desto länger sucht man nach den verräterischen Details. Alle hier auf Photos gezeigeten Papiernachbauten entstanden übrigens in Originalgröße (ok, die Autobahnbrücke nicht…).

Die Texte zu Thomas Demands Bildern stammen von Botho Strauß. Sie beschreiben wohl ganz bewusst nicht die gezeigten Szenen, sondern zielen auf andere kollektiv bewusste Ereignisse, um die Bilder ganz bewusst neu zu interpretieren. Man findet zum Beispiel etwas zum Erfurther Schulmassaker, die Bilder zeigen aber Orte einer anderen Gewalttat.

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Mit dem Netbook in der Hand fällt man immer irgendwie auf. Diesmal bekomme ich sogar Probleme: Was ich da täte?!; wahrheitsgemäß: ‚Die Ereignisse um die Verwüstung der Stasizentrale nachschlagen?!‘ Ich solle es ausschalten!! worauf ich die blödeste aller Fragen stelle: ‚Warum?‘ Die Antwort ist bestechend einfach und soo naheliegend: ich könne ja die Texte abschreiben… -.- Sinnloser Weise verteidige ich mich ‚Aha, ist doch Unsinn, da eh schon in Strauß‘ Büchern veröffentlicht…‘. Sie könne ja nix dafür, das wäre die Weisung der Neuen Nationalgallerie, *bla*. Ich glaub eher, da wahr jemand übereifrig. *klapp* (swg, Maria)

Hoch, weit, ziemlich viele Touris laufen rum (kein Wunder, werden die ja auch busweise vorm Dom ausgekippt), dementsprechend ist es ziemlich laut. Man steht trotzdem ziemlich verloren hier in der riesigen Halle.

Die klugen und törichten Jungfrau sind leicht zu finden. In der Staufer-Ausstellung waren die des Magdeburger Doms auch beschrieben. Sogar ausgegrabene Entwurfsplastiken gab es dort.

An einer Seite stehen Tafeln zur Orgel. Auffällig, wie lieblos/schmucklos die Holzkästen um die Pfeifen aussehen, als hätte man sie in ein IKEA-Billy-Regal gestellt. Sowas sieht man häufiger, wenn die Orgel einer Kirche nach 1900 um- oder neu gebaut wurde. Schade. Die Bilder der alten Orgel zeigen einen prächtig mit Ornamenten verzierten Orgelkasten.

Hinsetzen wäre schön. Hier findet man aber keine Ruhe. Was essen. (swg, Maria)